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Die Verdienste Ernst Henns
Ernst Henn wurde am 18. Februar 1909 in Neuenkirchen(Saar) geboren. !920 wurde sein Vater nach Cloppenburg versetzt. Im März 1927 macht er hier sein Abitur. Da er Priester werden wollte, studierte er in München und Münster Theologie. !932 wurde er in Münster zum Priester geweiht und wurde von 1933 bis 1939 Kaplan in Cloppenburg. Schon hier wurde seine große Kinderfreundlichkeit deutlich. Ein Zeitzeuge erinnert sich:
„Da, wo Kaplan Henn auftrat, war er sogleich von einer Kinderschar umgeben, die er alle mit Namen kannte.“
Auch seine Schwester Elisabeth, erinnert sich an seine große Kinderliebe:
„Wenn ich an meinen Bruder Ernst denke, so fühle ich förmlich die unvergängliche, hingebungsvolle Liebe, die er uns jüngeren Geschwistern entgegenbrachte. Er hatte sich als Gymnasiast nicht gescheut, uns Mädchen zur Entlastung der Mutter im Kinderwagen auszufahren, obwohl ihn seine Mitschüler auslachten.“
Im Januar 1933 kamen in Deutschland die Nationalsozialisten mit ihrem Führer Adolf Hitler an die Macht. Sie brachten viel Unglück über Deutschland, verfolgten unzählige Menschen und töteten viele. Besonders die Juden hatten unter ihnen zu leiden. Erst 1945 nach dem Ende des 2. Weltkrieges, der von Deutschland ausgegangen war, wurde diese Schreckensherrschaft beendet.
Im November 1938 – Ernst Henn war Kaplan in Cloppenburg – wurden in ganz Deutschland durch die Nazis die jüdischen Gotteshäuser(Synagogen) niedergebrannt. Diese Schandtat wurde von Ernst Henn in einer Predigt heftig angeprangert. Obwohl alle Menschen, die sich gegen die Nationalsozialisten stellten, durch Festnahme und sogar durch den Tod bedroht waren, schimpfte er in seiner Predigt:
„Vor Gott ist Brandstiftung Brandstiftung, Raub ist Raub !“
Für diese Worte wurde er angeklagt, ihm geschah aber nichts.
Von 1939 bis 1941 war er Kaplan in Dinklage, anschließend musste er bis 1943 als Soldat am Krieg teilnehmen.
Ab dem 25.11.1943 wurde er Vikar in Löningen. Auch hier wurde er innerhalb kurzer Zeit sehr beliebt bei der Bevölkerung, besonders auch bei den Kindern. Leider war ihm hier nur noch eine kurze Zeit vergönnt, denn in den letzten Kriegstagen kam er in Löningen um.
Der damalige Pfarrer Clemens Arlinghaus berichtet beeindruckend über Vikar Henns letzten Lebenstag(11. April 1945) und seinen Tod:
„Löningen wurde durch die Rückzugskämpfe in die Hauptkampflinie hineingezogen. Die Haselinie sollte verteidigt werden. Die Bevölkerung des Ortes war mit wenigen Ausnahmen in die umliegenden Bauernschaften geflohen. Für Vikar Henn wurde nun an diesem Tag das Krankenhaus zu einer Aufgabe, die ihm höchste Freude bereiten, die ihm aber auch den Tod brachte."
Die Schwestern des Krankenhauses gaben dazu folgende Darstellung:
"Am 11. April kam Vikar Henn zu uns in das Krankenhaus. Die Kranken und auch wir Schwestern begrüßten es freudig, geistlichen Beistand für diesen Tag haben zu dürfen. Vikar Henn kam ganz froh und wohlgemut zu uns. Angst brauchten wir nicht zu haben, so sagte er, der liebe Gott würde uns und unser Krankenhaus schon beschützen. Inzwischen erhielt unser Haus die ersten Einschläge der Artilleriegeschosse. Das Haus bebte und krachte. Der Keller war voller Kranken. Am Nachmittag ging Vikar Henn noch einige Male zum Pastorat. Seine größte Sorge waren die Panzersperren, die am Eingang des Ortes in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses errichtet waren. ...
Als gegen Abend der Ort Löningen von den deutschen Truppen geräumt wurde, waren vorher diese Sperren geschlossen worden. Das war nun für Löningen, besonders für das Krankenhaus, eine äußerst gefährliche Lage. ... Eine weiße Fahne, so sagten wir uns, würde vielleicht noch etwas retten können.
Vikar Henn und eine Schwester gingen sofort ans Werk und brachten an den Panzersperren weiße Fahnen an. Kaum waren die Fahnen aufgestellt, als plötzlich ein heftiges Artilleriefeuer einsetzte. Vikar Henn rief der Schwester noch zu: „Hinwerfen, in Deckung bleiben“. Die Schwester kam zum Krankenhaus zurück; Vikar Henn kam nicht wieder."
Im Pfarrhaus herrschte bange Ungewissheit. In Pfarrer Arlinghaus' Bericht ist zu lesen:
„Wurde Vikar Henn verwundet oder ist er vielleicht schon tot? Die ganze Nacht mussten wir in der Ungewissheit bleiben. ... Am anderen Morgen erst konnten wir suchen. Da mussten wir ihn finden, furchtbar zugerichtet, ein Volltreffer muss den sofortigen Tod herbeigeführt haben. Während die Schwester zum Krankenhaus zurückgelaufen war, hatte Vikar Henn sich hinter Künkens Scheune vor dem weiteren Artilleriebeschuss in Deckung begeben, wurde von einem Granatsplitter tödlich verwundet.“
Zum Abschluss seines Berichts zitiert Pfarrer Arlinghaus einen englischen Offizier:
„Wenn die weiße Fahne nicht gewesen wäre, dann hätten zuletzt die Panzer aus nächster Nähe vor Löningen noch einmal das Feuer eröffnet, und die Folgen einer solchen Beschießung wären für Löningen und besonders für das Krankenhaus furchtbar geworden. So hat Vikar Henn durch seinen mutigen Einsatz Löningen und besonders das Krankenhaus gerettet.“
Die Beerdigung Vikar Henns fand am 17. April 1945 in aller Stille statt, sein Leichnam ruht rechts vom Friedhofskreuz.
Ihm zu Ehren wurde ein Platz an der Haselünner Straße "Vikar-Henn-Platz" genannt. Eine Informationstafel verdeutlicht dort seine Verdienste.
Am 11. Juni 1999 wurde der damaligen Orientierungsstufe Löningen anlässlich ihres 25–jährigen Bestehens der Name „Ernst-Henn-Schule“ verliehen.
