Pressebericht in der Münsterl. Tageszeitung:

Wasserskorpion und Flohkrebs als Unterrichtsgegenstand
- Pädagogen lernten Gewässer-Kleintierfauna kennen -

Zu einer Lehrerfortbildung hatte der Fachbereich Biologie der Löninger Realschule die Biologie- und Sachkundelehrer der benachbarten Schulen eingeladen. Angeleitet wurden sie von zwei Fachleuten des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, dem Gewässerwarteausbilder Bodo Zaudtke und dem Fischereibiologen Dr. Jens Salva. Zahlreiche Pädagogen aller Löninger Schulformen waren der Einladung gefolgt, um mehr über das Kleintierleben in Gewässern zu erfahren.

„Arbeitsplatz“ waren ein Teich in der Löninger Brockhöhe sowie ein kurzer Abschnitt der Hase. Hier wurden im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahmen in Löningen im Jahr 2005 Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung am östlichen Stadtrand durchgeführt.
So wurde die vorhandene Verwallung rechtsseitig der Großen Hase entfernt und das Gelände auf ca. 17,50 m ü. NN abgetragen. Eine Überstauung der Flächen ist damit schon bei geringen Wasserspiegellagen möglich. Auf den Grünlandflächen wurden zusätzlich in Teilbereichen kleine Blänken angelegt.
Zudem konnte hier im August des vergangenen Jahres der „Haseauen-Erlebnispfad“ eröffnet werden, ein Kooperationsprojekt des Löninger Fischereivereins, des Hegerings, Rehavereins, der Stadt Löningen sowie des Vereins zur Revitalisierung der Haseauen. Er informiert über das Ökosystem Flussaue, Fisch- und Vogelarten, Insekten, Wasserkleintierfauna, Säugetiere und Pflanzen am Wasser. Dieser Bereich ist zentrumsnah und von allen Löninger Schulen in kurzer Zeit erreichbar.
Ausgestattet mit Kescher, flachen Schalen und Bestimmungstabellen versuchten die Teilnehmer, möglichst viele Arten von Kleintieren zu fangen und zu bestimmen. Erstaunen herrschte vielfach darüber, wie vielfältig die Kleintierfauna unter Wasser ist, die die Grundlage aller höheren Lebewesen bildet. Intention der Veranstaltung war es, die Vertreter der Schulen zu animieren, mit Schülergruppen diesen Bereich zu besuchen, selbst einfache Untersuchungen durchführen zu lassen und auf diese Weise Naturerlebnisse direkt „vor der Haustür“ zu vermitteln. Dabei bietet sich für Kinder und Jugendliche ein intensives Naturerlebnis, da sie selbst forschen und entdecken können.

Dr. Jens Salva und Bodo Zaudtke führten die Lehrerinnen und Lehrer in die Grundzüge der Biologischen Gewässergütebestimmung ein. Chemische Bestimmungsmethoden geben nur den augenblicklichen Zustand eines Gewässers wieder, der sich innerhalb kurzer Zeit, z.B. durch eine Abwasserwelle, gravierend ändern kann, betonte Dr. Salva.
Biologische Gütebestimmungsmethoden eignen sich dagegen eher, um den Langzeitzustand eines Gewässers zu betrachten. Viele Kleinlebewesen der Gewässer können nur in einer bestimmten Wasserqualität leben. Leitorganismen sind solche, die nur bei einer bestimmten Belastung eines Gewässers vorkommen. Bestimmte Arten benötigen sauberes, unbelastetes Wasser, andere Arten dagegen findet man eher in verschmutztem Wasser. Daher kann man aufgrund der in einem Gewässer lebenden Organismen, sogenannten Bioindikatoren, Rückschlüsse auf die Gewässerqualität ziehen. So gibt es "Reinwasseranzeiger" und "Belastungsanzeiger". Der Klassifizierung der Güteklassen reicht von Güteklasse I(unbelastet bis sehr gering belastet) über mehrere Stufen bis Güteklasse IV(übermäßig verschmutzt, z. T. biologisch verödet).

Text und Foto: Rudolf Thomann