Nazareno-Ausstellung
Nazareno-Ausstellung noch bis zum 6. Dezember geöffnet
Buntes Spektrum an Exponaten gewährt Einblick in die Arbeit des Vereins
„Was ich am schlimmsten fand auf der Straße, war auf dem Bürgersteig zu schlafen, weil mir etwas Schlimmes passieren könnte, ein böser Mann könnte kommen und mich mitschleppen. Als ich auf der Strasse schlief, mit den anderen Jungs, gab es Männer, die uns mitzogen, es gab Überfälle und noch viel mehr. [...] Wenn ich erwachsen bin, möchte ich Polizist werden, um jedem das Leben zu retten, damit niemand gefangen wird, niemand jemanden schlägt. ich will das Leben der Leute retten.“ (Tiago Pereira da Silva).
So unglaublich diese Worte aus dem Mund eines kleinen Jungen auch klingen mögen, neben Tiago können derzeit rund 25000 Kinder ähnliche Dinge aus ihrem Leben in den Straßen Brasiliens berichten. Sie alle standen schon in jungen Jahren vor der Wahl, ob sie entweder bei ihren Familien bleiben, wo hohe Armut und häusliche Gewalt herrschen, oder ob sie in die Straßen flüchten, in ein Leben geprägt von Bettlerei, Drogen und Kriminalität.
Diese Missstände waren es, die den seit über 20 Jahren in Brasilien lebenden, gebürtigen Löninger Bernd Rosemeyer dazu bewegten, sich dieser Kinder anzunehmen und ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. So gründete er 1994, zusammen mit seinem Bruder Werner Rosemeyer, die Vereine „Der Kleine Nazareno“ in Deutschland und den „O Pequeno Nazareno“ in Brasilien. Einzig auf Grundlage der gesammelten Spendengelder, die bis dato knapp 2 Millionen Euro betragen, entstanden zwei Dörfer, in denen Wohnhäuser, Schulen, Berufsausbildungszentren und Freizeiteinrichtungen für die Straßenkinder errichtet wurden. Hier wird ihnen nun erstmals eine Chance auf ein normales Leben gegeben. Sie erhalten hier eine Unterkunft, medizinische Versorgung, eine an den jeweiligen Wissensstand angepasste schulische Ausbildung sowie ab dem 15. Lebensjahr ergänzend eine Berufsausbildung.
Nun gewährt „Der Kleine Nazareno“ in seiner ersten, europaweiten Ausstellung unter dem Motto „Von der Privatinitiative zur größten deutsch-brasilianischen Hilfsorganisation für Straßenkinder“ Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Vereins sowie in den Alltag der Kinder, hierbei sowohl aus ihrem Leben auf der Straße als auch aus ihrem Leben in einem der Nazarenodörfer. Die Ausstellung im Heimathaus in Hukelrieden beinhaltet unter anderem Originaldokumente des Vereins, Fotocollagen und Informationstafeln, Filmpräsentationen, Alltagsgegenstände aus dem Straßenleben und von den Kindern in den Dörfern angefertigte Bastelarbeiten.
Geöffnet ist die Ausstellung im Heimathaus noch bis zum 6. Dezember, jeweils am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Gruppenführungen sind nach Vereinbarung möglich und können per Internet über info@nazareno.de angemeldet werden.
Im Rahmen des Faches Politik (Wahlpflichtkurs Klasse 7) informierten sich Schüler der Löninger Realschule auf der Ausstellung über die Projekte des Vereins „ Der Kleine Nazareno“. Werner Rosemeyer gab den interessierten Schülern detaillierte Informationen, die auf diese Weise dazu beitrugen, das Hintergrundwissen zur Unterrichtseinheit „Straßenkinder“ noch zu vertiefen.
Der Kleine Nazareno
Der aus Löningen stammende Bernd Rosemeyer war nach längerer Zeit wieder einmal Gast in der St.-Ludgeri-Schule. Er berichtete den Schülerinnen und Schülern der Klassen 7, 8 und 9 über die Situation der Straßenkinder in Brasilien.
Bernd Rosemeyer, der an unserer Schule im Jahre 1978 seinen Abschluss gemacht hat, fühlte sich vor über 20 Jahren berufen, den Straßenkindern in der brasilianischen Großstadt Fortaleza zu helfen.
Mittlerweile betreibt er mit 40 Mitarbeitern zwei Kinderdörfer bei Fortaleza und Recife, in denen er Jungen aufnimmt, die vorher ihr Leben als Straßenkinder gefristet haben und vielfach, um den Hunger zu betäuben, Klebstoffe „geschnüffelt“ haben. Diese Kinder haben meistens ihre Familien in den Slums verlassen. In den Kinderdörfern erhalten sie gesundes Essen, eine Schulausbildung und berufsbildende Kurse.
Besonderen Eindruck bei den Schülern hinterließen Bilder von Kindern, die jeweils in ihrer Zeit als Straßenkinder und später als fröhliche Jungen in den Kinderdörfern, aufgenommen worden waren.
Dazu einige Beispiele in der >>Bildergalerie<<.
>>Hier<< geht es zur Website des "Kleinen Nazareno".
Brief von Bernd Rosemeyer
Liebe Schüler und Lehrer der St.-Ludgeri-Schule!
Ich möchte mich als ehemaliger Schüler der St.-Ludgeri-Schule Löningen aufs herzlichste für die Möglichkeit bedanken, den Kindern und Jugendlichen meiner Schule über die Arbeit des Vereins „Der Kleinen Nazareno“ zu berichten.
Ich war zutiefst über das aufmerksame Lauschen der Schüler beeindruckt. Es herrschte absolute Stille, als die Schüler von den Sorgen und Nöten der Kinder, die in Brasilien auf der Straße leben, hörten.
Ich freue mich über diesen Austausch und allen, die den Vortrag organisiert haben und die unsere Arbeit in Brasilien unterstützen, im Namen der Kinder, denen ein neues Leben geschenkt werden konnte, herzlichen Dank!
Bernd Rosemeyer
Gründer des „Der Kleine Nazareno/ Brasilien
Brief von Katrin Berens(7b)
Lieber Herr Rosemeyer,
ich fand Ihren Vortrag sehr interessant. Am Anfang dachte ich: "Oh nein, wird bestimmt langweilig!" Aber dann wurde es nach und nach immer interessanter. Dass die Kinder diesen Stoff schnüffelten, das war wirklich furchtbar. Und dass keiner etwas unternommen hatte, bis Sie sich entschlossen haben, dass es so nicht weitergeht.
Die Kinder tun einem echt Leid. Aber warum tun sie das? Warum leben sie deshalb auf den Straßen? Fragen über Fragen,die wir uns stellen. Wir können es kaum fassen, was mit den Kindern passiert, wie sie ihre Zukunft "versauen". In Brasilien gibt es viele arme Viertel, wo auch diese Kinder leben. Deshalb haben Sie sich entschlossen, ein Projekt zu gründen, damit das schreckliche Leben der Kinder auf der Straße ein Ende nimmt. Auf den Fotos, die Sie uns gezeigt haben, waren Kinder verwahrlost auf der Straße. Rote Augen, benommen...Sie sahen aus wie "drogierte Monster". Diese Bilder waren wirklich schockierend. Keiner kann so etwas verstehen.
Dieses Nazareno - Dorf füllt das Leben der Kinder mit Spaß, Freude und Bildung. Die Kinder haben im Nazareno - Dorf die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Damit haben sie eine Bildung und können einen Beruf erlernen.
An Sie müsste man ein riesengroßes Lob aussprechen. Was Sie alles für die Kinder getan haben und heute noch tun, hätte kein anderer für die Kinder auf der Straße getan.
Ich wünsche Ihnen
viel Spaß mit den Kindern und ich hoffe,dass es bald keine Kinder, die auf der Straße leben, mehr gibt.
Viele Grüße
Katrin Berens
Brief von Jana Steingrefer(7 b)
Lieber Herr Rosemeyer,
Ihr Vortrag über Kinder, die in Brasilien auf der Straße leben hat mich sehr bewegt.
Dass Kindern im Nazarenodorf die Chance gegeben wird, ein besseres Leben zu führen, finde ich klasse. Erschreckend ist, dass die Kinder schon mit sechs oder sieben Jahren auf die Straße gehen. Interessieren würde mich, wieso Mädchen im Gegensatz zu den Jungen meistens erst später obdachlos werden.
Sie haben erzählt, dass die Kinder Schusterleim schnüffeln, damit sie keinen Hunger oder Schmerz spüren. Das zeigt ja eigentlich schon, dass sie total verzweifelt sind, oder?
Einen Tag im Nazarenodorf zu verbringen, dass wäre toll. Einfach mal zu sehen, wie die Kinder dort so leben.
Mit freundlichen Grüßen
Jana Steingrefer
Fotos von R. Bögershausen
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